PalästinaIsraelZeitung

für Völkerrecht und Menschenrechte

herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Völkerrecht und Menschenrechte in Palästina und Israel e. V.

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In dieser Ausgabe

Waffenbrüder
Fast seit Gründung der Bundesrepublik gab es deutsche Waffenexporte nach Israel oder deren Finanzierung. Zunächst heimlich. Adenauer und Ben Gurion waren sich einig. Heute geht das offiziell und öffentlich. Exportgenehmigungen werden erteilt, Waffen werden geschenkt, deutsche Soldaten trainieren in Israel den Ortskampf.

BDS
Die gewaltlose Boykott-Kampagne gegen die israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik findet immer mehr aktive Anhänger. Von Verbrauchern, Künstlern, Wissenschaftlern und der Wirtschaft wird sie in großem Umfang befolgt. Aber es gibt zunehmenden Gegenwind, nicht nur in Israel. Auch in den USA und Europa. BDS wird kriminalisiert, und die Meinungsfreiheit wird eingeschränkt.

Besatzung im fünfzigsten Jahr
Hierzu haben wir unterschiedliche Menschen um ihre Meinung gebeten. Leider fehlen wichtige Stimmen. 200 illegale jüdische Siedlungen und 600.000 Siedler im Westjordanland mit Ostjerusalem brauchen die Besatzung. Während Europa seinen Kolonialismus überwand, stieg in Palästina ein ein zionistischer Kolonialstaat auf.

Flüchtlinge der neuen Generation
Yusuf ist Flüchtling der dritten Generation. Der Palästinenser erzählt die Geschichte seiner Flucht aus dem syrischen Krieg. Den Weg über das Mittelmeer und quer durch Europa bis nach nach Dortmund schaffte er in zwanzig Wochen.

Wider die Mythen
Eine beispielloses Gewirr von Mythen, Ideologien, nationalen und religiösen Dogmen verhindert das Verständnis zwischen Israel, Palästina und dem Westen. Hierüber schreibt Arn Strohmeyer in seinem neuen Buch. Ohne Aufklärung gibt es für ihn im sogenannten Nahostkonflikt keine Lösung. Strohmeyer ist ein Aufklärer.

Zusammen protestieren
Relativ wenige Juden solidarisieren sich mit den Palästinensern. Ben Ronen aus Tel Aviv aber beteiligt sich im Dorf Nabi Saleh regelmäßig an Demonstrationen gegen die Besatzung. Gewaltfrei. Seine Hoffnung: Wenn wir zusammen protestieren, werden wir einmal auch zusammenleben. Dror Dayan hat hierüber einen Film gedreht.

Angst vor Vertreibung
Im Hügelland südlich von Hebron geht die Angst um. Palästinensische Dorfbewohner sind von illegalen jüdischen Siedlungen bedroht. Sie fürchten das täglich mögliche Anrücken der Bulldozer, die ihre schlichten Wohnstätten zerstören. Sie fürchten Zwangsumsiedlung, Gewalt der Siedler und der Soldaten. Susiya ist ein Brennpunkt.

Bekenntnis

Anonyme Karikatur mit dem Flüchtlingsjungen Handala des palästinensischen Karikaturisten Nadschi al-Ali (1938 bis 1987)

Palästina, Israel und die Deutschen

Von Paul Oestreicher

Deutschland könnte viel zur Lösung in Nahost beitragen. Wenn es der ganzen Wahrheit ins Angesicht sähe. Paul Oestreicher, Brite deutsch-jüdischer Herkunft, hat sein Leben lang Brücken gebaut und für den Frieden gestritten. Israel und Palästina zu lieben, sei kein Widerspruch. Dafür schlägt er eine Bresche.

Aus der Judenfrage entstand der Judenstaat. Theodor Herzl bemängelte im 19. Jahrhundert: ‚Wir sind eine Nationalität ohne Nation.‘ Die Frage in diesem Kontext war aber gar keine echte Frage, sondern ein ungelöstes Problem, so alt wie die uralte Geschichte der oftmals vertriebenen Israeliten. Der dissidente Jude Jesus von Nazareth konnte, in der Tradition der Propheten, eine nationale Exklusivität nicht hinnehmen. Die Trennung zwischen Juden und Heiden hat er für seine Gefolgschaft aufgehoben und damit den Nationalbegriff preisgegeben. Das galt als Hochverrat am Judentum.

Paul Oestreicher. Foto: ck



Zur ungelösten Judenfrage – ‚Juden sind überall ein Fremdkörper‘ – gehörte im 20. Jahrhundert die deutsche Frage: ‚Störenfried Deutschland‘. Sie griffen ineinander. Hitler beantwortete die deutsche Frage, stürzte die Welt in den größten aller Kriege und glaubte inmitten dieses Krieges, die Judenfrage durch die Vernichtung aller Juden lösen zu können. Dieser misslungene, aber um ein Haar gelungene, Versuch führte nach dem Zweiten Weltkrieg zur raschen Gründung des von Herzl erwünschten Judenstaates.

Herzl und Hitler
Herzl war ein Produkt der deutschen Kultur seiner Zeit. Er hielt sie in höchstem Ansehen, erkannte aber zugleich, dass es der europäische Antisemitismus war, der den Zionismus beleben und rechtfertigen würde. Die deutsche Shoah tat dann unverhofft das ihre. Aus den Gaskammern und auf den Massengräbern entstanden die Fundamente des jungen Staates. Ohne Auschwitz, ohne die Angst vor einem zweiten Holocaust, wäre die Israelfrage, diese offene Wunde, nicht das, was sie ist.
Herzl hatte alles darangesetzt, seinen Traum zu verwirklichen bis hin zum Versuch, den deutschen Kaiser und den Jerusalemer Großmufti davon zu überzeugen, dass in Palästina ein Judenstaat ermöglicht werden sollte. Nach dem Zweiten Weltkriegs griffen nun die Zionisten selbstbewusst zu, und zwar gewaltsam sowohl gegen die wehrlose arabische Dorfbevölkerung als auch gegen die britische Schutzmacht. Die Vertreibung Hunderttausender Palästinenser, die Nakbah, wurde laut Ben Gurion durch „unvermeidlichen“ Terror erzwungen und der junge Staat ausgerufen. „Wir hatten lange genug gelitten. Es war Zeit zu zeigen, was eigentlich längst unser hätte sein müssen.“
Zerstörte palästinensische Dörfer und fliehende Menschen waren die Folge. Das Ziel der arabischen Welt wurde folglich, den jungen Staat Israel zu vertreiben. Ein Krieg nach dem anderen endete mit der militärischen Besatzung des gesamten Landes Palästina. Israel hat sich in kürzester Zeit als eine erstaunlich effektive Militärmacht erwiesen. Es galt zu beweisen: Dieser jüdische Staat ist unbesiegbar. Er wurde zur Atommacht.



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